Quelle (Originalarbeit)
Kovács K, et al. (2018). Dog-Owner Attachment Is Associated With Oxytocin Receptor Gene Polymorphisms in Both Parties. A Comparative Study on Austrian and Hungarian Border Collies. Frontiers in Psychology. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00435
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1. Warum wurde diese Forschung durchgeführt?
„Oxytocin“ ist ein an Nähe, Bindung und Stressabbau beteiligter Stoff bei Mensch und Tier. Die Gene, die beeinflussen, wie Oxytocin wirkt, variieren von Person zu Person und von Hund zu Hund. Die Forschenden fragten sich, ob diese Variation mit der Bindung zwischen Hund und Halter zusammenhängen könnte. Da Hunde und Halter nicht verwandt sind, eignen sie sich gut, um zu untersuchen, wie Erfahrung, Umgebung und die Gene beider zusammenspielen. Sie betrachteten Border Collies und ihre Halter in Österreich und Ungarn sowie die Variation des Oxytocin-Rezeptor-(OXTR-)Gens, wie stark der Hund Bindungsverhalten zum Halter zeigte, und die Persönlichkeit sowie den Bindungstil des Halters.
2. Wie wurde die Studie durchgeführt?
135 Border Collies und ihre Halter in Österreich und Ungarn nahmen teil. Das Team (1) entnahm Speichel oder Blut von Hund und Halter zur Analyse der OXTR-Genvarianten, (2) beobachtete, wie der Hund reagierte, wenn er kurz vom Halter getrennt und wieder zusammengeführt wurde (um zu sehen, inwieweit der Halter als „sichere Basis“ diente), und (3) ließ den Halter Persönlichkeits- und Bindungstil-Fragebogen ausfüllen (z. B. ängstlich vs. vermeidend). Anschließend wurde geprüft, ob OXTR-Typ von Hund und Halter, Bindungsverhalten des Hundes sowie Persönlichkeit und Bindung des Halters statistisch zusammenhängen.
3. Was wurde gefunden?
Das Bindungsverhalten des Hundes hing mit dem OXTR-Gentyp sowohl des Hundes als auch des Halters zusammen. Es gab auch Hinweise, dass Gene von Hund und Halter gemeinsam (Interaktion) das Bindungsverhalten des Hundes beeinflussten—die Kombination beider kann die Beziehung prägen. Das Bindungsverhalten des Hundes unterschied sich auch nach Land (Österreich vs. Ungarn) und hing mit Persönlichkeit des Halters und Bindungsstil des Halters zusammen. Gene allein machen die Beziehung also nicht aus; Erfahrung und wie der Halter sich bezieht spielen ebenfalls eine Rolle.
4. Was wir mitnehmen können
Die Studie sagt nicht „dieser Hund und dieser Halter passen oder passen nicht wegen der Gene.“ Sie zeigt, dass oxytocinbezogene Gene bei Hund und Halter mit dem Ausmaß an Bindungsverhalten des Hundes zusammenhängen können und dass Gene von Hund und Halter zusammenwirken können. „Dieser Hund und dieser Halter werden passen“ lässt sich nicht allein aus Genen vorhersagen. Die Biologie der Nähe kann auf beiden Seiten unterschiedlich sein und die Beziehung beeinflussen. Gene mögen Möglichkeiten setzen; welche Beziehung sich tatsächlich bildet, hängt weiterhin davon ab, wie wir einander behandeln und welche Erfahrungen wir aufbauen. Die Studie nutzte eine Rasse in zwei Ländern, die Ergebnisse können anderswo abweichen.
Kurz gesagt
Der Oxytocin-Rezeptor-(OXTR-)Gentyp bei Hund und Halter hing mit dem Bindungsverhalten des Hundes zusammen, und die Gene von Hund und Halter konnten zusammenwirken. Land, Persönlichkeit und Bindungstil des Halters hingen ebenfalls mit der Beziehung zusammen—Erfahrung und Beziehungsstil zählen also weiterhin, nicht nur die Gene.
Quelle (CC BY 4.0)
Kovács K, et al. (2018). Dog-Owner Attachment Is Associated With Oxytocin Receptor Gene Polymorphisms in Both Parties. Frontiers in Psychology. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00435
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